
19.08.1997
Geschichte der Bruchmeister und die Verbindung zum Schützenwesen
Wir haben uns an dieser Stelle viele Gedanken gemacht, welche wichtigen Daten und Fakten hier stehen sollen und müssen. Wir haben uns dann doch entschieden Sie nicht damit über Gebühr zu langweilen!
Erstaunter haben wir registriert, daß uns jemand fragte: "Was ist überhaupt ein Bruchmeister ?" Deshalb wollen wir dieses hier aufklären:
Die Geschichte teilt sich in zwei Abschnitte. Zunächst einmal gibt es die Bruchmeister (oder Brokeherren) als städtische Ordnungspersonen. Diese Seite haben wir explizit (und für Geschichtsfans mit vielen Daten gespickt) unter "Was ist ein Bruchmeister" dargestellt. Die nachfolgenden Zeilen stellen in kurzer Form die Geschichte des Schützenwesens in Hannover und die Bruchmeister in diesem Segment vor.
Schon seit (und jetzt kommen doch ein paar, jedoch notwendige Daten) 1301 gab es in Hannover eine Bürgerwehr zur Stadtverteidigung. Damals schoß man noch mit einer Armbrust und zu Übungszwecken war jeder Bürger angehalten, einmal in der Woche zu trainieren. Geschossen wurde auf einen hölzernen Papageien auf einer hohen Stange (siehe Zeichnung).
Dieses setzte sich Jahrein - Jahraus fort. Die Waffen entwickelten sich immer weiter, die Stadt wurde immer größer, und mehr und mehr Bürger nahmen an den Schießen teil.
1529 gestattete dann Herzog Erich I. den Hannoveranern jährlich ein großes Schützenfest abzuhalten, wobei die besten Schützen der Stadt ermittelt werden sollten. Dies war schon damals sehr populär und so wurde 1573 die erste Schützenordnung erlassen und zur Durchführung des Schießens die "Schaffer" beauftragt. Im gleichen Jahr wurde der Bau eines Schützenhauses begonnen.
Nachdem der 30-jährige Krieg auch Hannover nicht verschonte, ging die Beteiligung an den Schießen zurück. Um aber die Verteidigung aufrecht zu erhalten, wurde beschlossen, jenen besten Schützen zunächst für 1 Jahr eine Freistellung von üblichen Wachdiensten und Gemeinschaftsarbeiten zu gewähren. 1654 wurde sogar die Steuerfreiheit für 1 Jahr vom Rat beschlossen (diese Steuerfreiheit wurde bis 1938 aufrechterhalten). Nun nahmen wieder (fast) alle Bürger an den Schießen teil.
Die Schaffer die das Schießen organisierten, benötigten dann Hilfspersonal, die das eigentliche Schießen überwachen. 1659 finden wir den ersten Hinweis auf die Bruchmeister beim Schützenwesen. Das Wort selber kommt vom "Bruch" der Ordnung, die von den "Meistern" geahndet wird und den Delinquenten zu einer Zahlung von 5 Talern in die "Bruchkasse" anhielten. Über die Einhaltung der Ordnung in der Stadt wachten die Bruchmeister bereits seit dem Jahr 1303 - der ersten Erwähnung der Bruchmeister. Die Schützenordnung von 1710 verzeichnet als "weiteres Personal" "zweene Brüchemeisters".
Über die Jahrzehnte wuchs das Ansehen der Bruchmeister in der Stadt. Nur Personen von gutem Leumund und Charakter wurden auserwählt. Desweiteren mußten Sie ledig und unbescholten sein, damit dieser schwere Dienst das Familienleben nicht belastete.
Auch heute noch gelten diese Kriterien, obgleich heute nur noch Schützen aus Schützenvereinen (die sich mit dem Schießsport auskennen) dieses Amt bekleiden dürfen. Nur von gutem Charakter, ledig und unbescholten müssen sie auch heute noch sein....
1837 beschließt der Rat aufgrund der zunehmenden Popularität, die Anzahl der Bruchmeister von bisher 2 auf 3 zu erhöhen. Desweiteren erhalten sie eine Aufwandsentschädigung von 6 Talern.
Ein Jahr nach der Gründung des Deutschen Reichs im Jahre 1871 fand in Hannover das 4. Deutsche Bundesschießen statt. Aus ganz Deutschland kamen insgesamt 8000 Schützen um den Besten zu ermitteln. Auch die Bruchmeister waren mit dabei.
1905 erhalten die Bruchmeister eine neue Kleiderordnung, die sie heute noch Ihre Gültigkeit hat: "getragen wird ein schwarzer Cut mit schwarzem Beinkleid, weißer Weste und einem weißen Querbinder (soll heißen Fliege) und ein "schwarzer Zylinder mit Kleeblatt...", dem heraldischen Symbol Hannovers.
1926 wird die vierte Bruchmeisterstelle geschaffen, und so haben wir auch noch heute vier Bruchmeister, die nicht nur dem hannöverschen Schützenfest den feierlichen Rahmen geben und deren Verpflichtung jedes Jahr im Rathaus durch den Oberbürgermeister per Handschlag erfolgt, sondern auch in den folgenden 365 Tagen der Landeshauptstadt Hannover bei festlichen Anlässen immer gerne zur Seite stehen.
Hier gehts zur Geschichte der Bruchmeister seit 1303
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