
23.09.1999
1999: Steubenparade - New York, New York - Ein sehr persönlicher Reisebericht
Nun zugegeben, der Titel ist nicht gerade originell und auch nicht von mir, aber doch im weitesten Sinne passend.
Jetzt im Moment, wo ich im Begriff bin diesen Beitrag zu beginnen und vor mir noch ca. 2 ½ Seiten unbedrucktes Papier liegen, drängt sich mir zunächst zwangsläufig die Frage auf: Warum schon wieder ich ?
Habe ich diese Reise etwa ganz alleine gemacht ? Nein. Auf diversen Photos ist ganz deutlich zu erkennen, daß auch anderer Bruchmeister den Sprung über den großen Teich mitgemacht haben. Aber wahrscheinlich ...Ach was soll's.
Am 15. September ging es also los. Für mich sollte es die erste Reise in die Staaten sein. Für einige andere sogar die erste Flugreise. Zu nachtschlafender Zeit trafen sich also 14 Bruchmeister und etwa dreißig weitere Mitreisende auf dem Flughafen Langenhagen. Das anschließende Aufgeben der Koffer und das Einchecken entbehren einer gewissen Spannung, so daß ich auf eine detaillierte Beschreibung verzichte.
Wir überspringen jetzt ca. 7 ½ Stunden und befinden uns nach einem ereignislosem Flug in der Stadt, die niemals schläft. Zeitgleich hatte sich auch der Hurrikan Floyd überlegt eben besagte Stadt heimzusuchen. New York war in ziemlich dichten Nebel gehüllt, so daß die Häuser allesamt den Eindruck machten nicht viel höher zu sein als bei uns zu Hause an der Hildesheimer Str.
Das es auch noch gegossen hat wie aus Kübeln sei hier nur am Rande und der Vollständigkeit halber erwähnt.
Die Fahrt zum Hotel wurde von unserer Reiseleiterin (ich habe selten eine Frau dreckiger lachen hören) benutzt, einige Informationen über den Big Apple an uns weiterzugeben. Nur warum der Big Apple so heißt, wie er heißt, das konnte sie auch nicht ganz zu meiner Zufriedenheit erläutern (aber dann wieder diese Lache).
Unser Hotel befand sich ziemlich Downtown Manhatten und war unter chinesischer Leitung. Gleich bei Betreten des Hotels war mir klar, daß es zwischen Deutschen und Chinesen niemals zu einer wirklich engen, völkerverbindenden Freundschaft kommen wird. Es gab keine Bar und rauchen war bei Strafe von $1000 verboten. OK. Die Zimmer waren sauber und die Betten hart genug und wenn es denn endlich aufhören sollte zu regnen, würde man sich sowieso kaum im Hotel aufhalten.
Aber am Nachmittag regnete natürlich immer noch. Also die Regenjacke über und zumindest die nähere Umgebung erkunden. Bei dieser Gelegenheit habe ich übrigens feststellen müssen, daß die Bruchmeistermütze nicht besonders wasserdicht ist.
Eine Besonderheit des ersten Tages will ich noch erwähnen. Wie gesagt, war das Rauchen im Hotel strengstens verboten und an lebenswichtige Getränke war schon gar nicht heranzukommen. Dies führte dazu, daß ein kleines unmittelbar am Hotel gelegenes Lebensmittelgeschäft die besten Umsätze seit seinem Bestehen machte und der Inhaber jetzt eine Beach Bar in Malibu betreibt.
Aber jetzt schweife ich ab. Die Besonderheit von der ich noch berichten wollte, war nämlich nicht das Lebensmittelgeschäft und sein über Nacht zu Reichtum gelangter Inhaber, sondern die Smokers-Lounge, welche sich auf jedem Stockwerk des Hotels befand. Hier konnte man dann doch noch seine Sucht ausleben, was sie zu einem beliebten Treffpunkt aller Mitreisender werden ließ. Trotz spärlichster Ausstattung wurden in den Lounges regelmäßig abends kommunikative Treffen zwecks Austauschen, der am Tage gewonnenen Eindrücke veranstaltet.
Die erste Nacht in New York verlief dann ohne große Besonderheiten, so daß am nächsten Morgen, bei weniger Nebel aber immer noch strömenden Regen die Stadtrundfahrt in Angriff genommen wurde. Unter kundiger Führung unserer Reiseleiterin (ja, die mit der dreckigen Lache) ging es kreuz und quer durch Manhatten. Und jetzt kam der Kulturschock. Ich kam mir in meine Kindheit zurückversetzt vor, wo ich mit staunenden, glänzenden Kinderaugen vor dem Weihnachtsbaum stand. Die Häuser waren wirklich sehr, sehr viel höher als an der Hildesheimer Str.
Manche Orte kamen mir aus Film und Fernsehen sogar vertraut vor. Da war dieses Tiffany, wo man angeblich so gut frühstücken kann. Ich konnte es aber leider nicht ausprobieren.
Beeindruckt hat mich ein Besuch an der Börse. Dort waren nur junge Menschen; denn entweder ist man in diesem Geschäft mit 30 Millionär und setzt sich zur Ruhe, oder man stirbt spätestens mit 35 an einem Herzinfarkt. Also auf keinen Fall etwas für gelernte Beamte.
Die weiteren Eindrücke, die ich im Verlauf der Woche zu verarbeiten hatte, übertrafen meine Erwartungen bei weitem. Kaufhäuser, aus denen man nur mit Lageplan wieder herauskam, Fastfoodketten, wie es hierzulande nur Tankstellen gibt und wirklich sehr, sehr hohe Häuser.
Als nächstes stand der Empfang beim Bürgermeister auf dem Plan. Meine Mitreisenden und ich waren ja quasi als offizielle Vertreter unserer kleinen überschaubaren Landeshauptstadt mit nicht ganz so hohen Häusern nach New York gekommen. Es wurden Grüße und Geschenke ausgetauscht und das New Yorker Rathaus erbebte unter den Klängen einer ostfriesischen Blaskapelle. Sehr befremdlich.
Die am Tag darauf folgende Steubenparade war dann ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Vor allem weil Floyd es vorgezogen hatte weiterzuziehen und die Sonne nunmehr aus allen Knopflöchern schien.
Zum Gottesdienst vor der Parade marschierten unsere Collegiumsstandarte gefolgt von den Stadtstandarten und noch etwa 1000 anderen Fahnen und Standarten in die St. Patricks Cathedral ein. Wirklich sehr beeindruckend. Die anschließende Parade führte uns dann die 5th Avenue am Central Park in Richtung Uptown. Was sehr bedauerlich war, fand doch die German-American -Friendshipparty downtown statt. So machten wir den Paradeweg dann noch ein zweites Mal in umgekehrter Richtung, um festzustellen, daß auch die Amerikaner, vor allem wenn sie deutschstämmig sind, genau wie ich nicht ganz frei von Klischees sind. Der Inbegriff der Gemütlichkeit bestand demnach aus bayrischer Musik (die Ostfriesen hatten sich wohl verlaufen), einem bierähnlichem Getränk aus Plastikbechern und einer Art Bratwurst welche mit einer Art Sauerkraut zur allgemeinen Stärkung gereicht wurde. Das ganze Ensemble nannte sich Original Oktoberfestcooking.
Aber Spaß beiseite es war schon etwas ganz besonderes, als Teilnehmer der Steubenparade den Beifall und die Grüße der vielen Zuschauer am Straßenrand entgegenzunehmen.
Was stand sonst noch an ? Ach ja, auf einige dieser wirklich sehr hohen Häuser in der Stadt konnte man mittels Fahrstuhl hinaufgelangen, um dann wieder nach unten zu gucken. Das haben neben mir auch sehr viele andere Leute getan. Mir drängt sich da der Verdacht auf, daß die Häuser nur zu diesem Zweck gebaut wurden; denn die Eigentümer verdienen dadurch, daß ihnen die Touristen aufs Dach steigen nicht schlecht. Vielleicht nicht ganz so viel, um eine Strandbar in Malibu aufzumachen, aber auch nicht schlecht.
M.M.
Informationen und Reisedetails
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